Pointer1

Neuronale Emergenzen

Don't look for the ground, common or else

...

Nach The Tracey Fragments stellt sich leichte Ratlosigkeit ein. Im Kopf funktioniert das Konzept - auch noch nach dem Film - jedenfalls besser als beim Ansehen. Formal sehr interessant mit den flexiblen Splitscreens und Überblendungen (muss ja eine Sauarbeit gewesen sein), Ellen Page kann einen authentischen Teenager spielen und der Soundtrack ist klasse und rettet über einige Längen. Aber dann stört auf der Storyebene so eine indiemäßige Tragikanhäufung, alle Charaktere sind mal wieder schwerst kontaktgestört, tun sich gegenseitig weh und wissen nicht warum, Traceys Eltern sind wandelnde Schatten: man kennt diese Klischees.

Auch wenn der Film bestimmt versucht, die Perspektive eines konfusen Teenagers zu evozieren; ein bißchen mehr von der Welt kriegt auch der eingeigelste Highschool-Outsider mit, glaube ich. Vielleicht liegt's daran, dass ich erst letzte Woche Paranoid Park gesehen habe, einen thematisch und strukturell verdammt ähnlich gelagerten Film, der irgendwie mehr Empathie in die Figuren investiert. Gus van Sant ist ja nun auch kein Naturalist, aber die Verbindung seiner Kunst zum Leben fühlt sich handfester und greifbarer an.
Christian (anonym) - 26. Mrz, 12:53

Ui, wo hattste denn Gelegenheit, den zu gucken? Ich warte ja jetzt seit der Berlinale '07 auf eine Gelegenheit, mir den ja sinnlich doch sehr anregenden Split-Screen-Overkill-Flash nochmal auf 'ner großen Leinwand zu geben ...

Zustimmung, inhaltlich ist "The Tracey Fragments" nicht spannend, aber die Oberfläche (und die in ihr entfaltete filmische Grammatik, die schon ziemlich gut funktionierte und auch so Einiges für mich Neues in der Neuordnung von Film-Raum und Film-Zeit probierte) hat mich damals ziemlich solide weggehauen :-)

neuronal - 26. Mrz, 14:20

Okay, ich hab den jetzt nur auf nem Computerbildschirm *cough* gesehen, meine Neugier (auch weil ich deinen Text neulich über den Film zum Selberpuzzlen noch im Kopf hatte) ließ sich da nicht zügeln. Könnte ich mir vorstellen, dass der auf ner großen Leinwand - und überhaupt auf den zweiten Blick, wenn sich die Überraschung über das filmisch Experimentelle nicht so in den Vordergrund schiebt, so war es jedenfalls bei "Southland Tales" - ganz anders wirkt. Neue Filmsprache muß man ja erstmal lernen. Nur, laut IMDB ist er bis jetzt nur in Kanada und Griechenland(?) im Kino. (Und selbst wenn er irgendwann hier nach Dresden kommt, wird er wahrscheinlich in nem Schuhkarton laufen.)
Festivals sind halt doch zu was gut...
(Ich möchte auch noch ergänzen, dass ich den Film ohne die deprimierende letzte Viertelstunde enthusiastischer aufgenommen hätte. Und die Story war sicher in der Buchvorlage so angelegt, meine Einwände richten sich also vielleicht gar nicht unbedingt gegen die filmische Umsetzung.)
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